COVID-19: Veränderungen und Vorteile für Mitarbeiter und Kunden

COVID-19: Veränderungen und Vorteile für Kunden und Mitarbeiter

COVID-19 hat zu beispiellosen Veränderungen in fast allen Bereichen unseres Arbeitslebens geführt. 
Doch wie die schnelle digitale Transformation von Großunternehmen und -organisationen wie den Gesundheitsbehörden in ganz Europa zeigt, könnte COVID-19 durchaus der Katalysator für Veränderungen gewesen sein, den viele Unternehmen dringend benötigten. 
Wie erleben Führungskräften weltweit die Veränderungen am Markt? Welce Chancen bieten sich und welche Risiken bestehen? Wir haben nachgefragt. Hier ist die Einschätzung einiger  Führungskräfte.
Aus den Antworten unserer Interviewpartner haben sich vier Schwerpnkte herauskristalisiert. Wir fassen interessante Argumente und spannende Reaktion auf die Veränderungen, die COVID-19 mit sich bringt, zusammen:
 
1.    Digitalisierung
2.    Kommunikation
3.    Work-Life-Balance
4.    Produktivität und Planung

 

Digitalisierung

Digitalisierung ist in den letzten Jahren zum Modewort geworden. Viele reden darüber. Aber was bedeutet Digitalisierung? COVID-19 hat viel in unseren Arbeitsprozessen verändert. Teams konnten sich plötzlich nicht mehr „einfach so“ treffen. Corona hat neue Barrieren geschaffen und Teams getrennt. Digitale Plattformen waren von heute auf morgen gefragt und wurden zu einem grundlegenden Teil der Unternehmenskommunikation.
Fast über Nacht setzten viele Unternehmen ihre Infrastruktur- und IT-Teams ein, um die rasche Digitalisierung in Gang zu setzen. 
Oft sehen wir Fehler in Prozessen erst im wirklichen „Stresstest“. Dieser Stresstest wurde sicher für viele Unternehmen über Nacht zur Realität. Nämlich dann wenn es heißt, ab morgen gelten Kontaktbeschränkungen und alle müssen von zu Hause aus arbeiten.
Für einen Geschäftsführer aus dem Bankensektor war der Weg zur reibungslosen Kommunikation ein steiniger. Am Ende stand jedoch eine bestens funktionierende Kommunikation aller globalen Teams.
"Eine Menge Nachdenken und Neuplanung musste über Nacht her. Wenn dann alles steht, ist es unglaublich einfach. Gestern habe ich eine Videokonferenz über alle unsere Standorte in Asien geführt. Alles völlig problemlos." 
Abgesehen von der internen Kommunikation hat die schnelle Digitalisierung durch COVID-19 auch viele Unternehmen zum Umdenken in Sachen Dienstreisen gezwungen. Unternehmer mit sensiblen Kundendaten wie der CTO eines in Großbritannien ansässigen FinTech Unternehmens überdenken ihre traditionellen Interaktionen zwischen Kunde und Finanzinstitut. 
"Viele der Prozesse mit traditionell manuellen Interaktionen erfordern jetzt einen neuen Weg aus einer digitalen Perspektive heraus. Wir sind jetzt nur im ersten Schritt bei unseren Kunden. Wir sehen Daten ein und digitalisieren sie. Dadurch haben wir das Kundenerlebnis massiv verbessert".
Prozesse für Recruiting, Onboarding und HR sind jetzt zu einem großen Teil digitalisiert und automatisiert. COVID-19 hat die Notwendigkeit der Digitalisierung vor allem von HR-Funktionen nur beschleunigt. 
Für einen HR-Leiter bei einem in Großbritannien ansässigen Logistikdienstleister kam dies in Form von digitalen DBS-Prüfungen. 
"Wir führen Sicherheitsprüfungen für jeden durch, der bei uns anfängt. In der Vergangenheit mussten wir dies immer persönlich vornehmen. Jetzt geht alles online. Das ist eine gewaltige Verbesserung. Das wirkt sich hoffentlich auch positiv auf unsere anderen Prozesse aus. Bisher haben wir vieles einfach nicht hinterfragt. Es geht auch anders, wie wir sehen.“

 

Kommunikation 

Es geht nichts über ein schnelles auf die Schulter klopfen und jemanden fragen, ob er oder sie mal eben schnell „draufscheuen“ kann. Doch angesichts von COVID-19 sind Teams derzeit getrennt. Ob und wann sich die Lage wieder vollständig entspannen wird, wissen wir nicht. 
Aus der Not heraus haben Teams auf der ganzen Welt neue Wege der Kommunikation gefunden. Und damit können ganz neue Potenziale in den Teams freigesetzt werden. 
Für den Personalleiter eines in Großbritannien ansässigen Logistikers hat sich die Kommunikation zum Besseren verändert. Sitzungen fühlen sich jetzt wie ein offenes Diskussionsforum an.
"Ich habe ein Team von 100 Mitarbeitern. Normalerweise verschicke ich Newsletter und rufe einmal pro Quartal alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Wenn ich jetzt einmal pro Woche alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anrufe und können sich jderzeit auch andere aus dem Team dazuschalten. Dadurch fühle ich mich jetzt trotz der weiteren Entfernung mehr verbunden als vorher, als wir noch im großen Besprechnungsraum saßen.“
Dieser neue Kommunikationsstandard hat außerdem durchweg positive Auswirkungen auf die beratungsintensive Arbeit. Beratungsunternehmen leben (oder sterben) von der Kommunikation. Sie haben nicht nur die Kommunikation zwischen Berater und Kunde im Blick, sondern auch sämtliche Prozesse.  
Wir sprachen mit einem Leiter HR einer Global Tech Unternehmensberatung. Er stellte fest, dass die Kunden des Unternehmens trotz unterschiedlicher Strategien ebenfalls an der Kommunikation gerbeitet haben.  
"Wir konnten von Anfang an von zu Hause aus arbeiten. Das hat zunächst viele Kunden überrascht. Sie waren erst gegen eine dezentrale Arbeit. Jetzt überwiegt der Nutzen. Unsere Kunden sehen, dass wir auch im Homeoffice die selbe Produktivität bieten, insbesondere wenn es um Entwicklungsprozesse geht. Für Neukunden ist das schon schwieriger. Das Vertrauen aus der Ferne aufzubauen ist für einige Kunden noch gewöhnungsbedürftig. Wir haben an der Stelle unsere Unterstützung bei Kundenproblemen weiter ausgebaut. So funktioniert das.“

 

Work-Life-Balance

Auch die sagenumwobene Work-Life-Balance ist in letzter Zeit zu einem Modewort geworden. Manche behaupten, es gäbe keine Work-Life-Balance – nur Life Balance. 
Die Umstellung auf die Arbeit von zu Hause aus fast über Nacht war sicher für viele Menschen so nicht geplant. Manche Menschen haben eine Familie zu Hause, andere sind allein. In jedem Fall verwischen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben. Mehr als je zuvor.
Für die meisten, mit denen wir gesprochen haben, war diese Veränderung positiv und gab ihnen mehr Zeit mit geliebten Menschen.
Auch für den Global Head of Talent einer Software-Beratungsfirma bedeutete es genau das. 
"Dadurch hatte ich viel mehr Zeit für meine Kinder und einen strukturierteren Tag, der nicht mehr durch Gespräche auf dem Flur unterbrochen wird.“
Für einen anderen bedeutete es eine völlige Umstellung von Arbeitsort und Lebensstil.
"Ich konnte nach Irland ziehen, um mehr Zeit mit meiner Tochter zu verbringen." 
Einige Unternehmen gehen damit einen Schritt weiter als nur die Lieben zu Hause besser unterstützen zu können. Sie empfinden diese Verschiebung der Work-Life-Balance als eine Offenbarung. Auch in der Zeit nach COVID-19 soll viel von dem bleiben, was jetzt neu eingeführt wurde. So auch beim Global Head of Talent bei einem Software-Beratungsunternehmen, mit dem wir gesprochen haben:
"Unser Handeln ist immer sozial geprägt. Darauf legen wir schon immer aus Unternehmenssicht Wert. Die Krise hat gezeigt, dass wir uns zuerst um Menschen kümmern, dann um Ergebnisse. Wir stecken da alle zusammen drin. Am Ende soll jeder einzelne auch im Unternehmen bleiben.“
Durch monatelange erfolgreiche und hochproduktive Arbeit aus dem Homeoffice haben sich auch Verhaltensweisen geändert. Das wissen auch Führungskräfte. Der Leiter HR bei einem in Großbritannien ansässigen Logistiker äußerte sich zu diesem Thema: 
"Wir wissen jetzt, dass wir auf unterschiedliche Weise arbeiten können. Das werden wir auf jeden Fall nach Corona beibehalten. Die Denkweise der Menschen hat sich verändert. Wenn es einen besseren, schnelleren Weg gibt, etwas zu tun, warum sollten wir ihn dann nicht gehen?“


 
Produktivität und Planung
 
Die COVID-19-Krise gibt einigen Unternehmern Zeit, ihre Prozesse „abzuspecken“. Darüber haben wir mit dem CTO eines britischen FinTech Unternehmens:
"Wir haben endlich die Prozesse im Unternehmen verschlanken können. Wir befinden uns noch immer in einem Hyper-Wachstumszyklus. Gehen wir besser einen Schritt zurück und erledigen erst inmal die Hausaufgaben, für die wir uns normalerweise nicht immer Zeit nehmen."

 

Jessica Hammermann

Marketing & Brand Manager

View Profile