COVID-19: Arbeitsplatz der Zukunft

COVID-19: Die Evolution unserer Arbeitswelt

Unser Arbeitsplatz und all die gewohnten Rituale drumherum stehen seit COVID-19 in Frage. So viel ist sicher. 
Wir haben mit Führungskräften aus ganz Europa darüber gesprochen, was sie sich für diesen neu gestalteten Arbeitsraum vorstellen. Wie wirkt er sich auf unsere alltäglichen Prozesse und Methoden aus? 

 

Klare Routinen festlegen

Lars Osterberg ist der CEO von MANOMOTION, einem Unternehmen für Echtzeit-Gestikanalysen. Wir benutzen im Alltag unsere Hände benutzen, um in einem virtuellen 3D-Raum zu kommunizieren. Lars Osterberg nutzte mit seinem iPhones der ersten Generation direkt nach seinem Universitätsabschluss die Chance, um damit Geld zu verdienen. 
Für Lars Osterberg und MANOMOTION liegt der Schlüssel zur Aufrechterhaltung der Produktivität bei gleichzeitiger Förderung einer gesunden Work-Life-Balance darin, frühzeitig eine klare Routine festzulegen.
"Wenn Sie normalerweise mit Ihren Kollegen alle besprechen, fält es schwer jetzt Vorgesetzte um Hilfe und Unterstützung zu bitten. Und nun? “
Aber wie soll man Routine festlegen, wenn die Situationen zu Hause nicht unterschiedlicher sein könnten? Für Lars geht es darum, proaktiv zu sein, die richtigen Fragen zu stellen, zuzuhören und sich dann nicht zu scheuen, eine Struktur zu definieren, der das Team folgen kann.
"Es liegt am Manager, proaktiv zu sein und die richtigen Fragen zu stellen.“
Wir haben monatliche Mitarbeitergespräche eingeführt. Wir besprechen tatsächlich jede Woche alles zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Vor allemdie Frage, ob sie etwas brauchen, das ihnen bei der Erfüllung ihrer Ziele hilft.“
 
Vielleicht müssen wir noch das eine oder andere anpassen, um auch mehr Raum für Erholung zu schaffen. Die Entwicklung einer täglichen Routine kann uns dabei helfen, mehr Kontrolle über alles zu haben, und uns helfen, Platz für alles Wichtige zu schaffen. Routine kann unserer psychischen Gesundheit helfen. Sie kann uns helfen, mit Veränderungen umzugehen, gesunde Gewohnheiten zu entwickeln und unseren Stresspegel zu reduzieren.
Wenn Sie bei der Arbeit einer Routine folgen, die funktioniert, können Sie sich darauf verlassen, dass das Ergebnis jedes Mal dasselbe sein wird.  Lars musste nur einen kleinen Anstoß geben, um diese gesunden Arbeitsgewohnheiten in seinen Teams zu fördern.
"Mir wurde klar, dass ich eine strukturierte Arbeit fördern musste. Ich habe die Teams gebeten, mir jede Woche zu berichten. Das hat sie in ein eine Routine gebracht. Jetzt sind sie auf einem guten Weg." 

 

Die Arbeitsplatzwohlfühlatmosphäre beibehalten

 

Aaron Cornell ist der Leiter der Software-Entwicklung bei der Norfolk Capital Group. Als Leiter des technischen Teams arbeitete Aaron Cornell bisher innerhalb einer Standard-Arbeitsstruktur. Homeoffice gab es nur in Ausnahmefällen.  
Mit Beginn der Kontaktbeschränkungen mussten plötzlich alle von zu Hause aus arbeiten. Aaron Cornell ergriff sofort die Initiative und setzte eine Reihe von Tools ein, damit die Teams nahtlos weiterarbeiten konnten. 
"Die üblichen täglichen Stand-ups wurden durch Webex-Sitzungen und Microsoft-Teams ersetzt. Wir haben verschiedene Kanäle für den allgemeinen Chat sowie ein Tool für das Workflow-Management eingerichtet, mit dem die Teammitglieder ihre Fortschritte in Echtzeit verfolgen können.“
Bei der Bewertung von Leistungen geht es nicht immer darum, Regeln aufzustellen und einzuhalten. Vielmehr sollten wir eine Arbeitsumgebung schaffen, in der wir uns so wohl fühlen und eigene Regeln und Arbeitsweisen entwickeln. Aaron Cornell hat genau gespürt, wie sich der sehr plötzliche Wegfall des Büroumfelds auf sein Team ausgewirkte und entschied sich dagegenzuwirken.  
"Meinem Team fehltn die „Büro-Hintergrundgeräusche“. Wir haben einen virtuellen Pausenraum eingeführt, den das Team auch für Gespräche außerhalb der Arbeit benutzt. Es scheint gut zu funktionieren. Produktivität und Moral im Teams haben sich verbessert.“
Discord, eine Voice-Chat-Anwendung, die hauptsächlich für Spiele verwendet wird, ermöglicht die Einrichtung mehrerer "Räume", die je nach den Bedürfnissen des Teams thematisiert werden können. Das ist eine großartige Möglichkeit, das Büro kommunikativ in einem geschützten Bereich zusammenzuhalten.
Insgesamt haben Aaron Cornell und seine Teams einen proaktiven Ansatz zur Bewältigung der Herausforderungen der Krise gewählt. Nach einigen Startschwierigkeiten ist die Produktivität in den letzten Wochen deutlich über dem Vor-Corona-Niveau.
 
Neue Standards für die Besetzung von Schlüsselpositionen
 
Aidan Moran ist Managing Director bei ecx.io Ltd, einer Tochter von IBM iX in der globalen Agenturfamilie von IBM. Hier agieren Aidan Moran und ecx.io als eine der führenden digitalen Agenturen in Europa mit mehr als 350 Mitarbeitern in fünf verschiedenen Ländern.
 
Auf grund dieser Verteilung waren Aidan Moran und sein Team schon vor COVID-19 an das Arbeiten an verschiedenen Standorten und im Homeoffice gewöhnt – mit allen Vor- und Nachteilen.
"Ablenkungen sind für IT Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines der größten Hindernisse, um effektiv zu arbeiten.  Wir müssen uns auf unsere Tickets und unsere Entwicklungsaktivitäten konzentrieren. Das alles erfordert Konzentration. Wenn dann ständig jemand in dein Büro kommt, kann das zum Problem werden.“ 
Damit geht jeder anders um. Viele ziehen sich zurück, indem sie einfach Kopfhörer aufsetzen und sich weiter konzentrieren.
Diese "neue Normalität" ist allerdings nicht von allen gewollt. Wer die Wahl hat, sucht sich seinen Arbeitgeber nach der für ihn oder sie am besten passenden Arbeitsumgebung. Kontrollverlust und Isolation sind oft schwer zu ertragen. Für Aidan Moran sind das zwei Themen mit oberster Priorität.
"Remote arbeiten kann sehr wohl funktionieren, wenn wir die Herausforderungen aus der Isolation und Selbstmotivation annehemen.“
Selbstmotivation und Zeitmanagement sind Schlüsselqualifikationen, die jeder Personalverantwortliche gern sieht. Doch wie sieht es mit Führungspersönlichkeit aus? Hier werden HR Entscheider sicher ein besonderes Auge draufwerden – gerade in der "neuen Normalität". 
"Das „Gesamtpaket“ einer Person ist entscheidend. Können sie sich selbst managen? Brauchen sie eher ein Team? Müssen Ihnen Aufgaben zugewiesen werden? Wir werden das bei allen Neueinstellungen hinterfragen und beachten, damit alle Teams auch zukünftig im Homeoffice arbeiten können, wann immer notwendig. Die Einstellungskriterien der Zukunft werden viel flexibler sein müssen. Es wird Kandidaten geben, die sagen werden, dass sie nicht im Büro arbeiten können, beispielsweise weil sie einer Risikogruppe angehören. Das ist in Ordnung und es könnte tatsächlich ein Vorteil sein". 
Fragen wie: Sind Sie bereit, mit Kunden vor Ort zu arbeiten? Wie sieht es mit Ihrer internationalen Dienstreisebereitschaft aus? sind jetzt weniger relevant und weniger wichtig. Weltweit haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bewiesen, dass sie mindestens genau so produktiv im Homeoffice arbeiten wie im Büro.

 

 

Jessica Hammermann

Marketing & Brand Manager

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